Freitag, 17. August 2007

Beachvolleyball
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Beachvolleyball-Spiel in Spanien
Beachvolleyball-Spiel in Spanien

Beachvolleyball ist eine olympische Sportart, die sich aus dem Volleyball entwickelt hat. Das Spiel auf Sand weist jedoch einige Besonderheiten gegenüber der Variante in der Halle auf und ist heute mehr als nur ein Funsport.
Inhaltsverzeichnis
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* 1 Regeln
* 2 Ball
* 3 Technik
* 4 Taktik
* 5 Geschichte
* 6 Bekannte Spieler(innen)
o 6.1 Deutschland
o 6.2 Österreich
o 6.3 Schweiz
o 6.4 USA
o 6.5 Brasilien
* 7 Kontroverse
* 8 Freizeitsport
* 9 Footvolley
* 10 Einzelnachweise
* 11 Literatur
* 12 Weblinks

Regeln [Bearbeiten]

Die Beachvolleyball-Regeln basieren auf den Vorschriften des Hallenvolleyballs, sind aber nicht identisch. Die auffälligsten Unterschiede betreffen den Untergrund und die Anzahl der Spieler.

Zwei Mannschaften mit jeweils zwei Spielern stehen sich auf einem Spielfeld aus Sand gegenüber. Um den Spielrythmus zu erhöhen, hat die FIVB 1999 beschlossen, die Größe des Spielfelds von 9 mal 18 Metern (Maße in der Halle) auf 8 mal 16 Metern zu reduzieren. In der Mitte ist das Feld durch ein Netz getrennt, dessen Höhe bei den Herren 2,43 Meter und bei den (durchschnittlich etwas kleineren) Damen 2,24 Meter beträgt. Die Mittellinie darf nur übertreten werden, wenn der Gegner dadurch nicht gestört wird.

Wie in der Halle beginnt der Ballwechsel mit dem Aufschlag, wobei der servierende Spieler beim Gewinn des Aufschlagrechts wechselt. Wenn das Schiedsgericht einen Fehler in der Reihenfolge bemerkt, findet der Wechsel erst dann statt und der Spielstand wird nicht nachträglich korrigiert. Die gegnerische Mannschaft muss freie Sicht auf den aufschlagenden Spieler haben und kann dies bei Bedarf einfordern. Ansonsten gibt es wegen der Anzahl von zwei Spielern keine Stellungsfehler, keinen Libero und keine Auswechslungen.

Eine Mannschaft muss den Ball spätestens mit der dritten Berührung über das Netz spielen. Der Block zählt beim Beachvolleyball als erster Ballkontakt; trotzdem muss der zweite Ballkontakt technisch sauber ausgeführt werden. Die beiden Spieler müssen das Spielgerät abwechselnd berühren. Ausnahmen gibt es nur direkt nach dem Block oder wenn es beim ersten Schlag „innerhalb derselben Aktion“ zu einer Doppelberührung kommt (z.B. von den Armen auf ein anderes Körperteil). Bei den zulässigen Techniken gibt es mehrere Einschränkungen (siehe unten).

Wenn es einem Team nicht gelingt, den Ball ordnungsgemäß zurückzuspielen, erhält der Gegner einen Punkt, wobei man sowohl bei eigenem als auch bei gegnerischem Aufschlag punkten kann (Rally-Point-System). Ein Spiel wird über zwei Gewinnsätze ausgetragen. In den ersten beiden Sätzen braucht man 21, im eventuellen dritten Satz 15 Punkte; außerdem ist immer ein Vorsprung von mindestens zwei Punkten erforderlich. Um Nachteile, die unter freiem Himmel auftreten können (z.B. die blendende Sonne oder Wind) auszugleichen, werden nach jeweils sieben (im Entscheidungssatz fünf) gespielten Punkten die Seiten gewechselt.

Jeder Mannschaft steht pro Satz eine Auszeit zu, deren Zeitpunkt sie frei wählen kann. Zusätzlich gibt es nach 21 gespielten Punkten eine im Regelwerk vorgeschriebene technische Auszeit, die 30 Sekunden dauert. Außerdem dürfen die Spieler das Spiel kurz unterbrechen, um ihre Sonnenbrille zu putzen. Da diese Aktion jedoch in vielen Fällen nur genutzt wird, um den Spielfluss des Gegners zu stören, muss der Schiedsrichter einen Spieler verwarnen, wenn er dieses taktische Mittel zu häufig anwendet. Sollte sich ein Spieler während des Spiels verletzen, hat die betroffene Mannschaft fünf Minuten Zeit, um ihn wieder in einen einsatzfähigen Zustand zu versetzen. Falls die Regeneration nicht gelingt, wird das Spiel abgebrochen und für den Gegner gewertet. Ungünstige äußere Bedingungen (z.B. starker Regen) führen zu einer Unterbrechung des Spiels, das später mit dem gleichen Zwischenstand fortgesetzt wird.
Beachvolleyball
Beachvolleyball

Ball [Bearbeiten]

Der Ball besteht außen aus einem wasserabweisenden, weichen Material, meist Kunstleder und einer Blase aus Gummi im Inneren. Er muss die Bedingungen im Freien, wie Wasser und Sand, aushalten und sollte helle Farben haben. Mit einem Umfang von 66 bis 68 cm und einem Gewicht von 260 bis 280 Gramm ist er minimal größer als der Hallenvolleyball. Der Innendruck des Balles ist mit 171 bis 221 mbar allerdings geringer als der des Hallenvolleyballes (294 bis 319 mbar).

Technik [Bearbeiten]
Beachvolleyball-Spiel in Spanien
Beachvolleyball-Spiel in Spanien

Grundsätzlich gibt es beim Beachvolleyball die gleichen Techniken wie in der Halle. Der Ball darf mit allen Körperteilen gespielt werden. Sowohl das obere Zuspiel (pritschen) als auch das untere Zuspiel (baggern) ist möglich. Allerdings ist die Anwendung der Techniken durch die Regeln eingeschränkt.

Beim oberen Zuspiel ist eine absolut saubere Technik erforderlich. Der Ball darf nur über das Netz gepritscht werden, wenn er in der Schulterachse, also senkrecht nach vorne oder hinten, jedoch nicht zur Seite gespielt wird. Ansonsten ist das Pritschen über das Netz nur erlaubt, wenn es „unabsichtlich“, also in deutlich erkennbarer Absicht eines Zuspiels erfolgt (beispielsweise wenn der Wind den Ball auf die gegnerische Seite weht). Das Legen mit der offenen Hand bzw. der aus der Halle bekannte „Lob“ (Angriffsfinte in der Technik des einhändigen oberen Zuspiels mit offener Hand) ist nicht erlaubt und gilt als technischer Fehler.

In der Feldabwehr ist das obere Zuspiel unter Zuhilfenahme der Finger („offene Hände“) ebenfalls streng reglementiert. Der Ball darf weder geführt (zu lange berührt) noch gefangen oder geworfen werden. Einzige Ausnahme ist ein hart geschlagener Ball des Gegners, bei dem ein leichtes Führen gestattet ist (sogenannter „Beach-dig“). Die Härte des Schlags richtet sich zum Beispiel nach der zur Verfügung stehenden Reaktionszeit des Abwehrspielers, der Entfernung, die der Ball zurücklegt, sowie der Geschwindigkeit und Flugkurve. Ein Aufschlag zählt nicht als harter Angriffsschlag.

Insgesamt ist festzustellen, dass in dieser Frage noch vieles im Fluss ist. So galten früher (bis 1990) in der amerikanischen Beachvolleyball-Serie gepritschte Bälle bereits als technisch fehlerhaft, wenn sie in der Luft zweimal rotierten. Im europäischen Raum fand diese Regel zwar keine Anwendung, dennoch wird besonderes Augenmerk auf die kontrollierte Ausführung des oberen Zuspiels gelegt (stabile Körperhaltung, Treffpunkt zentral vor dem Kopf, weicher, flüssiger Bewegungsablauf, kontrollierte, tendenziell möglichst „rollfreie“ Flugkurve). Das im Hallenvolleyball übliche Zuspiel durch kurzen Bewegungsimpuls nur aus den Fingern wird häufig als zu „hart“ abgepfiffen. Allerdings ist (vor allem auf mittlerem bis gehobenem Leistungsniveau) in den letzten Jahren eine Aufweichung dieser Standards zu beobachten. Angesichts der mit dem oberen Zuspiel verbundenen technischen Schwierigkeiten und der Unsicherheiten bei der Regelauslegung hat das untere Zuspiel im Beachvolleyball (vor allem bei den Profis) eine größere Bedeutung als in der Halle.

Beim Beachvolleyball gibt es einige zusätzliche Techniken, die in der Halle keine Anwendung finden. Am bekanntesten ist der sogenannte „Poke Shot“ (englisch: poke = stoßen). Dabei stößt man den Ball mit den mittleren Knöcheln von zwei oder mehr Fingern über das Netz.[1] Eine größere Höhe erreicht man mit dem „Cobrashot“, bei dem der Ball mit den Fingerspitzen der gestreckten Hand senkrecht zum Mittelpunkt gespielt wird. Diese beiden Techniken sind im Gegensatz zum „Lob“ erlaubt, da sie eine geringere Ballkontrolle bieten.

Taktik [Bearbeiten]

Das „Coaching“ (Anweisungen vom Trainer) ist während des Spiels nicht erlaubt. Deshalb müssen die Spieler zusätzlich die Aufgaben eines Trainers übernehmen, um mit dem Partner eine Taktik zu entwickeln, sich gegenseitig zu motivieren und konstruktive Kritik zu äußern. Die verbale Kommunikation findet hauptsächlich zwischen den Ballwechseln, während der Auszeiten und in den Satzpausen statt.

Da die Kulisse durch Musik und Zuschauer oft ziemlich laut ist, haben die Spieler ein einfaches System aus Handzeichen entwickelt, um ihre Strategie zu kommunizieren. Vor dem Aufschlag zeigt der im Feld stehende Spieler seinem Partner mit den Fingern hinter dem Rücken an, wie der Block gestellt wird und in welche Richtung der Aufschlag gehen soll. Die beiden Hände beziehen sich dabei üblicherweise auf die beiden Gegenspieler. Eine geschlossene Faust bedeutet einen Verzicht auf den Block, ausgestreckte Zeigefinger deuten einen „Longline“-Schlag (d.h. entlang der Außenlinie) an und ein V-Zeichen aus Zeige- und Mittelfinger weist auf einen diagonal gespielten Ball („cross“) hin. Wenn bei einem längeren Ballwechsel ein erneuter Angriff nötig ist, gibt der Blockspieler weitere Zeichen für seinen Partner.

Zusätzlich zu den Handzeichen werden auch noch kurze Kommandos benutzt, um dem Mitspieler Anweisungen zu geben. Die häufigsten Anweisungen sind die im Angriff verwendeten „line“ (Longline), „cross“ (diagonal geschlagener Angriff), „shot“ (über den Block auf die Linie spielen) und „cut“ (kurze diagonale Finte). Im deutschen Sprachraum sind auch „mit“ und „ohne“ (Block) üblich. Sie werden dem Angriffsspieler zugerufen, je nachdem wie sich die defensive Mannschaft auf ihrer Feldseite aufgestellt hat.

Geschichte [Bearbeiten]
Beachvolleyball-Spiel in Manhattan
Beachvolleyball-Spiel in Manhattan

Beachvolleyball entstand in den 1920er Jahren in Santa Monica und an anderen Stränden in Kalifornien. Charlie Saikley wird als Begründer dieser Sportart genannt. Der Hermosa Beach in Los Angeles gilt bis heute als einer der populärsten Spielorte.[2] Rund zehn Jahre später tauchte Beachvolleyball erstmals in Europa auf. Nachdem es in den 1940er Jahren bereits erste Turniere in Santa Monica gegeben hatte, scheiterte in den 1960ern der Versuch, eine professionelle Liga einzurichten. Am Strand von Manhattan fanden 1960 die ersten Beach Open statt, die in den USA als „Wimbledon des Beachvolleyballs“ gelten. Der herausragende Spieler Karch Kiraly beschrieb die besondere Bedeutung der Veranstaltung folgendermaßen: „Du sprichst mit irgendeinem Spieler und wenn man ihnen sagt, dass sie in ihrer gesamten Karriere nur ein einziges Turnier gewinnen könnten, würde sich jeder für Manhattan entscheiden. Dort gibt es bei allen Spielern zusätzliches Feuer.“[3]

Kiraly verhalf dem Beachvolleyball zu größerer Popularität und trug dazu dabei, dass der bisherige Freizeitsport ab den 1980er Jahren als professionale Sportart anerkannt wurde. Gemeinsam mit seinem Partner Kent Steffes gewann er 1996 in Atlanta die erste Goldmedaille im Beachvolleyball bei Olympischen Spielen, nachdem er 1984 und 1988 bereits in der Halle erfolgreich gewesen war. Im Finale setzten sich die US-Amerikaner gegen ihre Landsleute Michael Dodd und Mike Whitmarsh durch; den nordamerikanischen Triumph bei den Herren vervollständigten die Bronzemedaillen-Gewinner Child und Heese aus Kanada. Vier Jahre zuvor in Barcelona wurde das Spiel auf Sand bereits als Demonstrationssportart vorgestellt. Im Jahr 2000 in Sydney war mit Dain Blanton und Eric Fonoimoana erneut ein Team aus den USA erfolgreich und gewann im Finale gegen die Brasilianer José Marco Melo und Ricardo Santos durch. Das deutsche Duo Axel Hager und Jörg Ahmann sicherte sich Bronze. 2004 in Athen beendete Ricardo Santos mit seinem neuen Partner Emanuel Rego die amerikanische Vorherrschaft und schlug im Endspiel die Spanier Javier Bosma und Pablo Herrera. Bronze ging an die Schweizer Stefan Kobel und Patrick Heuscher. Bei den bisherigen drei Turnieren der Damen war Brasilien die erfolgreichste Nation und stellte bei der Premiere mit Jackie Silva und Sandra Pires sowie Monica Rodrigues und Adriana Samuel beide Finalteilnehmer. Die Dritten von Atlanta, die Australierinnen Natalie Cook und Kerri Pottharst, gewannen vier Jahre später in der Heimat Gold gegen Adriana Behar und Shelda Bede aus Brasilien. Bronze gewannen die vormaligen Finalisten Adriana Samuel und Sandra Pires. In Athen gab es den ersten großen Erfolg für das derzeit dominierende Frauen-Duo Kerri Walsh und Misty Mae-Treanor, die Adriana Behar und Shelda Bede erneut auf den zweiten Platz verwiesen. Den dritten Rang belegte mit Holly McPeak und Elaine Youngs ebenfalls ein Duo aus dem Heimatland des Beachvolleyballs.

Die Dominanz der Spieler(innen) aus den USA und Brasilien zeigt sich auch bei den Ergebnissen der Weltmeisterschaften. Nach zehn internationalen Turnieren in Rio de Janeiro fand 1997 in Los Angeles die erste offizielle WM statt. Bei den Damen gab es nach drei brasilianischen Siegen zuletzt drei Titel in Folge für Walsh und May-Treanor. Ihre Gegnerinnen Tian Jia und Wang Jie zeigten bei der WM 2007 mit dem Einzug ins Endspiel, dass China allmählich zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für die etablierten Nationen wird. Bei den Herren gingen bis einschließlich 2005 alle Goldmedaillen nach Südamerika (viermal Brasilien, einmal Argentinien). Erst 2007 konnten die US-Amerikaner Todd Rogers und Philip Dalhausser diese Serie beenden. Julius Brink und Kjell Schneider waren mit Platz 3 bei der WM 2005 in Berlin bisher die einzigen Deutschen unter den Top 3.

In Deutschland begann der professionelle Beachvolleyball im Jahr 1992 mit der erstmaligen Ausrichtung der Masters-Turniere. Den Abschluss und Höhepunkt der Turnierserie bilden die Deutschen Meisterschaften, die ihre Premiere im Ostseebad Damp feierten und seit 1993 jedes Jahr am Timmendorfer Strand ausgetragen werden. Parallel zum Masters entwickelte sich eine zweite Turnierserie. Außerdem findet jedes Jahr ein Turnier der World Series der FIVB (seit 2003 Grand Slam) in Berlin statt, das lediglich 2006 wegen der Fußball-WM ausfiel. Nach Problemen mit dem Fernsehsender RTL, der nur ein Sommer lang Beachvolleyball zeigte, und dem Vermarkter Sportfive wurde die Anzahl der Turniere in Deutschland reduziert. Seit 2006 gibt es als einzige deutsche Turnierserie die „Smart Beach Tour“.

In Österreich unterscheidet man zwischen zwei großen Turnierserien, dem A1 Masters und der AON Tour. Letztere wird in die drei Kategorien A, B und C unterteilt. Jedes Jahr findet ein Grand-Slam-Turnier im Rahmen der World Series der FIVB in Klagenfurt statt.

Bekannte Spieler(innen) [Bearbeiten]

Deutschland [Bearbeiten]

aktuelle Nationalduos:

* Rieke Brink-Abeler / Hella Jurich, Helke Claasen / Antje Röder, Sara Goller / Laura Ludwig, Stephanie Pohl / Okka Rau
* Julius Brink / Christoph Dieckmann, David Klemperer / Eric Koreng, Jonas Reckermann / Mischa Urbatzka

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